„Schritte in Richtung europäische Spitze“

„Schritte in Richtung europäische Spitze“

Nach vielen Jahren auf der österreichischen Herren-Fußballbühne, unter anderem als Cheftrainer von FC Admira Wacker Mödling oder Sportkoordinator des LASK, ist Dominik Thalhammer bereits seit einigen Jahren Teamchef des österreichischen Frauen-A-Nationalteams und sportlicher Hauptverantwortlicher der U17- bzw. U19-Nationalteams. Zudem war er für den Aufbau des Nationalen Zentrums für Frauenfußball verantwortlich. Dass es 2013 erstmals einem österreichischen Nationalteam (U17) gelungen war, sich für eine Europameisterschafts-Endrunde zu qualifizieren, war erst der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die noch lange anhalten soll, wie der gebürtige Oberösterreicher im Interview verrät.

 

DP: 2011 wurde das Nationale Zentrum für Frauenfußball gegründet, 2013 erfolgte die erste Qualifikation eines Damen-Nationalteams für eine Euro-Endrunde. Wie beurteilen Sie die Entwicklungen des österreichischen Frauenfußballs seit dieser Qualifikation?

 

DT: "Durchwegs positiv. Das U17-Team von 2013 ist zum Großteil in das A-Nationalteam aufgerückt, wo in den letzten Jahren auf internationaler Ebene weitere Erfolge gefeiert werden konnten. Mittlerweile gewinnen österreichische Damen-Nationalmannschaften zwischen 70 und 80 Prozent aller bestrittenen Spiele. Das ist ein Wert, der uns in den letzten Jahren mit großen Schritten in Richtung europäischer Spitze geführt hat und das A-Team mittlerweile seit zwei Jahren ungeschlagen sein lässt."

 

DP: Einen wesentlichen Beitrag leistete dabei das Nationale Zentrum für Frauenfußball. Was kann man sich darunter vorstellen und wie ist die Arbeit dort strukturiert?

 

DT: "Das Nationale Zentrum befindet sich in St. Pölten und umfasst insgesamt fünf Jahrgänge, wobei jeder Jahrgang aus etwa zehn Spielerinnen besteht. Diese Spielerinnen sollen den Stamm der beiden Nachwuchsnationalteams bilden, wobei die Arbeit im Zentrum sehr leistungsorientiert ausgerichtet ist. Von Montag bis Donnerstag einer Arbeitswoche versammeln sich die Spielerinnen im Zentrum und werden von den Betreuerinnen und Betreuern in insgesamt sieben Einheiten vorbereitet und gecoacht. Freitags absolvieren die meisten Spielerinnen die Abschlusstrainings bei ihren Stammvereinen, um am Wochenende in der höchsten österreichischen Spielklasse zum Einsatz zu kommen."

 

DP: Während die Entwicklungskurve der Nationalteams und der Spitze stark nach oben zeigt, fehlt es dem österreichischen Frauenfußball jedoch weiterhin an der Breite . . .

 

DT: "Das stimmt leider. Die Anzahl der Spielerinnen österreichweit stagniert in den letzten Jahren, deshalb versuchen wir, durch unterschiedlichste Aktionen den jungen Mädchen diesen Sport schmackhaft zu machen. Hierbei spielt die U14-Bundesländermeisterschaft natürlich eine entscheidende Rolle. Es wäre notwendig, den Frauenfußball in der Breite noch weiter auszubauen, um diesen Wettbewerbsnachteil gegenüber den absoluten Top-Nationen Europas vergessen zu machen."

 

DP: Blicken wir kurz nach Oberösterreich: Derzeit kommt keine der A-Nationalteamspielerinnen aus Oberösterreich. Wird sich das in naher Zukunft ändern?

DT: "Ich bin mir sicher. Im Nationalen Zentrum befinden sich derzeit sehr viele Spielerinnen aus Oberösterreich in Ausbildung, die definitiv das Zeug zu A-Teamspielerinnen haben. Gerade im Bereich der U17/U19-Nationalteams ist Oberösterreich mit qualitativen Spielerinnen sehr dominant."

 

DP: Sie haben jahrelang im professionellen Herrenfußball gearbeitet. Wo sehen Sie Unterschiede zum Frauenfußball?

 

DT: "Ich denke, dass der Frauenfußball zu Beginn meiner Arbeit beim ÖFB schlechter wahrgenommen wurde, als er eigentlich war. Anfänglich sah ich meine Aufgabe darin, durch professionelle Arbeit und entsprechende Infrastruktur den Frauenfußball auch nach außen hin salonfähig zu machen. Im professionellen Männerfußball sind die Möglichkeiten natürlich andere, es sind auch ganz andere Mittel zur Verfügung. Bewertet man das Spiel, so sind natürlich in Bereichen wie Dynamik oder der Intensität des Spiels wesentliche Unterschiede festzumachen, während im spielerisch-taktischen Bereich der Damenfußball ein sehr hohes Niveau hat."

 

DP: Wie sieht der Ablauf einer "normalen" Arbeitswoche eines Teamchefs des österreichischen Frauen-A-Nationalteams aus?

 

DT: "Natürlich unterschiedlich. Sofern kein Lehrgang oder kein Länderspiel ansteht, war ich als Sportlicher Leiter natürlich im Nationalen Zentrum für Frauenfußball mit der Planung und Durchführung des Trainingsbetriebs zuständig, ebenso für strategische und konzeptionelle Tätigkeiten zur Weiterentwicklung des Frauenfußballs. Hinzu kommen natürlich jene Tätigkeiten, die ein Teamchef durchzuführen hat: Vorbereitung und Organisation der Lehrgänge, Länderspiele und natürlich - sehr wichtig - die Spielbeobachtungen unserer Spielerinnen in der heimischen Frauen-Bundesliga sowie der Bundesländer-Nachwuchsmeisterschaft."

 

DP: Was hat Sie damals bewogen, den persönlichen Weg im Frauenfußball einzuschlagen?

 

DT: "Die Aufgabe hat mich von Beginn an gereizt. Der Frauenfußball ist ein Bereich, wo noch sehr viel getan werden kann und muss, um den Spielerinnen eine gute Plattform für ihre Betätigung zu geben. Ich bin an meine neue Aufgabe sehr offen herangegangen und habe versucht mein in den Jahrzehnten zuvor angeeignetes Know-How auf allen Ebenen einzubringen. Gemeinsam mit der Bereitschaft des ÖFB und meinem Team haben wir, denke ich, in den letzten Jahren einen weiteren Meilenstein in der Entwicklung des Frauenfußballs gesetzt."

 

DP: Welche Ziele setzen Sie sich und dem österreichischen Frauenfußball in den nächsten Jahren?

 

DT: "Kurzfristig natürlich die weitere Entwicklung des Frauenfußballs im Breitensport und die Weiterführung des erfolgreichen Wegs der Frauen-Nationalteams auf internationaler Ebene. Da sind natürlich langfristig Qualifikationen für Endrunden die Indikatoren für den Erfolg."