Alles neu macht der Mai

Alles neu macht der Mai

Die mit 1. Mai 2017 gültigen Ausbildungs- und Förderentschädigungen führen zur großen Änderungen im Amateurfußball. Speziell die Tatsache, dass Spieler ab einem Alter von 28 Jahren kostenlos frei sein werden, erfordert Wissen über die Hintergründe, die OÖFV-Vorstandsmitglied Franz Maier hier aufzeigt . . .

 

Mit viel Unverständnis haben viele Vereine bereits jetzt die Ankündigung, wonach in Zukunft Spieler ab dem 28. Lebensjahr praktisch immer kostenlos frei sein werden, zur Kenntnis genommen. Sie sehen darin eine Regelung, die die Vereine wiederum und zusätzlich weiter einschränkt und ihnen vor allem Einnahmemöglichkeiten wegnimmt, die jetzt immerhin den Abgang eines Spielers, gar eines für den Verein wichtigen Spielers, einigermaßen erträglich macht. Spieler mit 28 Lebensjahren befinden sich zudem gerade in der Blüte des Fußballlebens und können für einen Verein noch viele Jahre von großer Wichtigkeit sein. Und jetzt - also ab 1. Mai 2017 - sollen die gar völlig kostenlos frei gehen können?

Ursprung im Jahr 1995

Natürlich: wieder eine Regelung, die den großen Vereinen hilft und den kleinen, die ohnedies größte Rekrutierungsprobleme haben, einen weiteren Schlag versetzt. Was war, was ist geschehen? Begonnen hat die ganze "Misere" im Jahr 1995 mit dem Bosman-Urteil des Europäischen Gerichtshofes. Unter Hinweis auf die Arbeitnehmerfreizügigkeit, einem Grundprinzip der EU, hat dieses Gericht festgestellt, dass der Spieler Jean-Marc Bosman  durch eine zu hoch angesetzte Ablösesumme seines Vereines RFC Lüttich in dieser Arbeitnehmerfreizügigkeit eingeschränkt sei. Diese Entscheidung hatte enorme Auswirkungen auf den Profifußball und vor allem das Transferwesen der Vereine, aber auch auf alle anderen Sportarten. Wohlgemerkt für den Profisport . . .

Auch Amateursport betroffen

Und irgendwann stellte sich die Frage, inwieweit davon auch der Amateursport betroffen sein könnte. Denn es ist ja kein Geheimnis, dass Transfers und vor allem Transferentschädigungen zum Teil in beträchtlicher Höhe bis in die letzten Klassen der Amateurligen verlangt und bezahlt werden. Das führte bereits zu zahlreichen Änderungen, wobei hier dem Bereich der Ausbildungs- und Förderentschädigung besonderes Augenmerk gewidmet worden ist. Mehrmalige Änderungen des Regulativs des ÖFB waren die Folge. Und was geht das uns an, vor allem uns Funktionäre im Amateurbereich? Die Regelung ist konsequent, wenn man die Hintergründe anschaut. Freizügigkeit ist längst ein Grundwert, ja ein Grundrecht, das wir selbstverständlich in allen Bereichen unseres Lebens einfordern.

Nichtmonetäre Anreize bieten

Den Vereinen, vielen Vereinen, wird dies jedoch nichts helfen. Vermehrt werden Schwierigkeiten und Probleme auftreten, vor allem die besseren Spieler im Verein halten zu können. Die Verlockungen (kostenlose Freigabe, damit aber auch die Aussicht auf Geld) werden für manche zu groß sein. Die Sorgen, eine Mannschaft, gar eine schlagkräftige, gute Mannschaft zusammenstellen zu können, damit wieder größer. Nicht übersehen sollte man aber - bei diesem Lamento - auch die Möglichkeiten für den eigenen Verein und gerade die Notwendigkeit, sich um die eigenen Spieler besonders zu kümmern und ihnen entsprechende (nicht finanzielle) Anreize zu bieten. Der Spieler der eigenen Gemeinde im eigenen Verein sollte nach wie vor etwas Besonderes sein.

Vorgaben von UEFA und FIFA

Drei Hauptgründe sind es, die nunmehr als Vorgabe von UEFA und FIFA Eingang in die Neuregelung gefunden haben:

- Die bisherige Regelung mit der Pauschalentschädigung ist nicht gerechtfertigt. Die Alternative wäre gewesen, dass die Entschädigung zur Gänze wegfällt.

- Bezahlung und Abgeltung erfolgen nur für die tatsächliche Ausbildungszeit beim Verein.

- Die Rechtsprechung, wonach grundsätzlich beim Amateurfußball - im Gegensatz zum Berufsfußball - der charakteristische Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher und sportlicher Leistungsfähigkeit der Vereine fehle und die Freigabe des Freizeitfußballers daher nicht als Handelsobjekt und Einnahmequelle missbraucht werden dürfe. Eine Ausbildungsentschädigung verstoße nur dann nicht gegen die guten Sitten, wenn die im Regulativ normierte oder vertraglich festgesetzte Entschädigung in einem angemessenen Verhältnis steht und überdies zu keiner maßgeblichen Beschränkung der Rechte des Spielers führt.

- Mit 23 ist die Ausbildung abgeschlossen, der Betrag bleibt für einen Spieler gleich, bis er 28 ist. Die Aussicht auf die Erlangung einer Entschädigung ist geeignet, die Fußballvereine zu ermutigen, nach Talenten zu suchen und für die Ausbildung der jungen Spieler zu sorgen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass der abgebende Verein tatsächlich Ausbildungsleistungen erbracht hat. 

 

Hier die wichtigsten Eckpunkte der Neuregelung, die mit 1. Mai 2017 in Kraft tritt:

Das System der Ausbildungs- und Förderentschädigung folgt dem Rucksackprinzip; der aufnehmende Verein hat an den abgebenden Verein jeweils die gesamte Ausbildungs- und Förderentschädigung gemäß dem Regulativ zu entrichten.

Keine rückwirkenden Zahlungen an frühere Vereine bei Übertritten vor Sommer 2017;

Entschädigungen erstmals für das Spieljahr, in dem der Spieler das 9. Lebensjahr vollendet hat;

Für die Bezahlung einer Entschädigung wird eine altersmäßige Höchstgrenze mit 28 Jahren eingezogen, wobei die Ausbildungszeiten vom 10. bis zum 23. Lebensjahr berücksichtigt werden;

Ab Vollendung des 28. Lebensjahres ist ein Zwangserwerb zwischen 1. und 20. Juni jedoch ohne Entschädigungszahlung möglich;

Die konkret für einen Spieler anfallende Entschädigung samt AKA-Anteil wird bei einer Zwangsverpflichtung im System Fußball-Online abrufbar sein.

Die konkreten Beträge sind im Netz zu finden.