Ausrufezeichen mit Schubkraft

Ausrufezeichen mit Schubkraft

Das ÖFB-Frauennationalteam hat bei der UEFA Europameisterschaft für eine Sensation gesorgt - und für begründeten Optimismus, dass die Trendkurve des Frauenfußballs in der Zukunft weiterhin steil nach oben zeigt. Zumal auch in Oberösterreich schon lange vor dem Sommermärchen in den Niederlanden zielführende Maßnahmen gesetzt worden sind.

Die Spannung, der Jubel, TV-Quoten jenseits der Millionenmarke, der von Tag zu Tag immer größer werdende Hype vom Boden- bis zum Neusiedlersee . . . All das wird noch lange in bester Erinnerung bleiben. Von einer Europameisterschaft, die Österreich als Debütant in Angriff genommen und als Sensationsteam auf Platz drei beendet hatte.  Das Sommermärchen in den Niederlanden soll nun für einen weiteren Schub im heimischen Frauenfußball sorgen. Das Ausrufezeichen in Form der Erfolge der von Dominik Thalhammer betreuten " Ladykracher" belohnte die Bemühungen des ÖFB, der in den letzten Jahren einen Fokus auf die Weiterentwicklung und Professionalisierung des Frauenfußballs gelegt hatte. Doch auch in Oberösterreich wurden viele Weichenstellungen vorgenommen, die nachhaltig positiv Einfluss nehmen.

Neun Talente in ÖFB-Auswahlen
War im EM-Kader leider keine Oberösterreicherin nominiert gewesen, so stehen die Zeichen gut, dass es aus dem Land ob der Enns bald wieder Verstärkung für das rot-weiß-rote Aushängeschild im Frauenfußball geben wird. Mit Vanessa Hartl, Laura Wienroither, Jana Scharnböck, Katharina Fellhofer, Linda Mittermair, Andrea Gurtner, Claudia Wenger, Lisa Kolb und Jana Kofler zählen neun OÖ-Mädchen - neben einigen weiteren Talenten, die auf Abruf sind - zum Stamm des U19- beziehungsweise des U17-Nationalteams. Und damit zu den großen Hoffnungsträgerinnen für die Zukunft, die auf Feiersinger, Billa, Schnaderbeck & Co. aufschließen sollen.

Ein Viertel mit OÖ-Wurzeln
Alle diese Mädchen wurden jahrelang in den LAZ-Einrichtungen des OÖ FUSSBALLVERBANDES ausgebildet und sind dann im Nationalen Zentrum für Frauenfußball in St. Pölten aufgenommen worden. "Dort wurden im abgelaufenen Schuljahr die 50 größten heimischen Talente betreut. Dreizehn darunter stammen aus Oberösterreich, womit unser Bundesland ein Viertel aller Fußballerinnen in dieser Eliteeinrichtung stellt", freut sich Raphael Koch, OÖFV-Direktor für Sport & Spielbetrieb.  Ein weiteres Indiz für den guten Nachwuchs in Oberösterreich sind die Leistungen der U14-Mädchenauswahl, die 2015 mit dem Titel in der Bundesländer-Nachwuchsmeisterschaft gekrönt wurden.

Hochburg Kleinmünchen
Jene Hoffnungsträger, die nicht den Sprung nach St. Pölten schaffen, werden übrigens im Frauenfußballzentrum OÖ speziell gefördert. Diese "Mini-Akademie" wurde vor zweieinhalb Jahren gegründet, punktet mit Schulkooperationen, Spartentrainern und medizinischer Betreuung und wird von der Union Kleinmünchen gemeinsam mit dem Land OÖ und dem OÖ FUSSBALLVERBAND in Linz betrieben. Apropos Kleinmünchen: Dort befindet sich die Hochburg des Frauenfußballs in unserem Bundesland. 105 Spielerinnen gehen beim Bundesliga-Klub ihrer Leidenschaft nach. Landesweit sind übrigens sechs Prozent der Aktiven, die am OÖFV-Meisterschaftsbetrieb teilnehmen, weiblich. "In absoluten Zahlen sind das 3500 Mädchen und Frauen. Es wird interessant zu beobachten sein, ob sich der Erfolg bei der EM auswirken und ein Boom einsetzen wird", sagt Präsident Gerhard Götschhofer.

Zuwachs bei Aktiven
Dabei gab es bereits in den vergangenen Jahren Zuwachs. Alleine von 2015 auf 2016 konnte die Zahl der aktiven Spielerinnen um sieben Prozent gesteigert werden. Die Gründe dafür sind vielfältig, reichen vom ehrenamtlichen Engagement der Vereinsfunktionäre und Trainer bis hin zum OÖFV-Frauenfußballreferat unter der Leitung von Karl Römer, das im Interesse der Vereine bemüht ist, bestmögliche strukturelle Rahmenbedingungen zu schaffen. Wesentlich für den signifikanten Zuwachs ist aber primär das Entfachen der Begeisterung für den Fußball im frühen Alter. Hier leistet das OÖFV-Breitenfußballprojekt "Schule am Ball" einen großen Beitrag, indem bei den Schulbesuchen durch ausgebildete Coaches Mädchen gleichermaßen wie Burschen trainiert werden und im abschließenden Volksschulcup dann auch verpflichtend zwei Mädchen pro Mannschaft eingesetzt werden müssen.

Angebot zur Fortbildung
Im Fortbildungsbereich gab es ebenso Impulse. Abgesehen von einem eigenen Workshop zum Thema Frauenfußball, bei dem Dominik Thalhammer zu den Referenten zählte, werden auch die anderen Vereinscoaching-Angebote eifrig von Frauen in Anspruch genommen. Allein binnen der letzten zwei Jahre konnten 304 Teilnehmerinnen gezählt werden. "Themen wie beispielsweise Ernährung oder Marketing haben für Frauen und Männer gleichermaßen Relevanz. Die Fortbildungen sorgen für eine Professionalisierung im sportlichen und administrativen Bereich eines Vereins und es ist äußerst positiv zu bewerten, mit welchem Ehrgeiz die Frauenfußballsektionen den Mehrwert des Vereinscoachings abschöpfen möchten", erklärt Raphael Oberndorfinger, OÖFV-Direktor für Finanzen und Organisation.

TV-Präsenz und Preisgeld
Unterstützung für den Frauenfußball leistet der OÖ FUSSBALLVERBAND außerdem in Form von Subventionen und in punkto Vermarktung. Die 2016 eingegangene Partnerschaft mit dem Sender LT1 inkludiert nämlich auch TV-Berichte über den Frauenfußball und sorgt so für eine breit(er)e Aufmerksamkeit. Ein finanzieller Anreiz wurde zudem im OÖ Ladies Cup gesetzt: Mit Kleinmünchen 1b streifte der Sieger des Bewerbs heuer erstmals eine Prämie in Höhe von 1.000 Euro in bar ein. Und die mit 0:2 unterlegenen Gegnerinnen von Stadl-Paura erhielten einen Warengutschein im Wert von 800 Euro.