Der Grundstein für Höhenflüge

Der Grundstein für Höhenflüge

Am Anfang steht die Überwindung, am Ende der Erfolg. Nur ein Umdenkprozess kann Fußballvereine nachhaltig positionieren und dank eines individuell abgestimmten Marketingkonzepts wirtschaftlich absichern. Mit Christian Wascher liefert ein Experte Impulse und Argumente . . .

 

Ein Verein, der heutzutage nicht auf Marketing setzt, wird es in Zukunft schwer haben. Die Bereitschaft für das klassische Sponsoring ist gesunken. Die Vereine kämpfen jetzt schon damit, die Budgets aufrecht zu erhalten. Die großen Gönner sind nicht mehr da, das Mäzenatentum geht zu Ende. Vereine stehen teilweise vor dem Ruin, wenn der Hauptsponsor abhandenkommt. Deswegen ist ein Marketingleiter im Verein heutzutage genauso notwendig, wie der Sportchef oder Nachwuchsleiter. Wer hier keinen Umdenkprozess einleitet, der wird letztendlich übrig bleiben. Es ist fünf vor zwölf! Deswegen ist es außerordentlich wichtig, junge Leute ans Werk zu lassen, die mit Marketingstrategien vertraut und motiviert sind. Alte Strukturen müssen aufgebrochen werden, um einen Verein in eine erfolgreiche Zukunft führen zu können. Ein Marketingleiter muss dazu nicht nur ein Konzept oder Ideen mitbringen, sondern braucht ebenso eine Portion Hartnäckigkeit, Geduld und Durchhaltevermögen.

Veränderungen durchsetzen
Obwohl ich Erfolge im Marketingbereich vorzuweisen habe, kämpfe ich nach wie vor damit, neue Ideen bei Vereinen umzusetzen. "Das geht nicht bei uns" oder "wir haben das früher aber auch anders gemacht" oder ein einfaches "Nein" sind zumeist die Totschlagargumente für neue Ideen oder eine neue Linie. Aber genau bei solchen Antworten sollte man hellhörig werden und sich nicht entmutigen lassen, denn gute Ideen können es im Endeffekt nur dann sein, wenn sie zunächst abgelehnt werden. Menschen beziehungsweise viele Vereinsverantwortliche stehen Veränderungen prinzipiell kritisch gegenüber - auch dann, wenn sie bitter nötig sind. Dennoch kann man ganz klar sagen, dass die früheren Strategien in der Sponsorengewinnung nicht mehr so greifen wie früher. Es wird viele Vereine geben, die mit immer weniger Budget auskommen müssen. Außer man ändert seine Strategie und das Bewusstsein.

Vereinsphilosophie entwickeln
Die Welt entwickelt sich ständig weiter und auch die Vereine sollten erkennen, dass die typische Bandenwerbung oder das Trikotsponsoring nicht mehr für das Vereinsbudget ausreichen. Um Unternehmen zu überzeugen, sollte man eine Vereinsphilosophie entwickeln, die nicht unbedingt vom sportlichen Ergebnis abhängt. Für was steht der Verein, wo engagiert sich der Verein, welchen Mehrwert bietet der Verein gegenüber anderen Klubs oder Sportarten? Das sind zunächst einmal die Fragen, die man sich stellen sollte.  Es gibt sehr viele Möglichkeiten einem Verein ein positives Image zu verpassen. Ganz wichtig ist zunächst einmal, die Stärken und Schwächen eines Klubs herauszufinden, und eine Vereinsphilosophie zu entwickeln. Diese Philosophie soll allerdings nicht von den sportlichen Zielen abhängig sein - im Gegenteil, es sollte darauf geachtet werden, für was der Verein allgemein steht. Hier ist es auch sehr hilfreich soziale und für die Gesellschaft wertvolle Aspekte einzubringen. Es gibt in vielen Gemeinden soziale Programme, die sich ganz einfach in das Vereinsgeschehen integrieren lassen. Auch die Aktionen des OÖ. Fußballverbandes geben immer wieder Hilfestellung und können teilweise eins zu eins im Verein umgesetzt werden.

Alleinstellungsmerkmal wichtig
Wichtig ist jedenfalls, dass ein Anfang gemacht und zu arbeiten begonnen wird. Viele Vereine haben die Zeichen der Zeit bereits verstanden und einen Umbruch eingeleitet. Diese Klubs werden in Zukunft auch die Nase vorne haben, weil sie den anderen Vereinen bereits voraus sind. Mit einer Philosophie hat man dann auch eine Verkaufsstory, die man dem zukünftigen Sponsor oder Interessenten vortragen kann. Ich habe in vielen Verkaufsgesprächen bemerkt, dass Vereine im Endeffekt immer die gleichen Dinge vortragen: Wir haben einen Nachwuchs und setzen auf die Jugend. Ich kenne allerdings kaum Vereine, die keinen Nachwuchs haben. Das Unterscheidungs- oder Alleinstellungsmerkmal fehlt zur Gänze. Und das gilt es einfach herauszuarbeiten.

Investitionen ins Umfeld
Ein enorm wichtiger Punkt ist auch die Infrastruktur eines Klubs. Der Verein sollte nicht nur auf der Homepage, in den Social-Media-Kanälen oder in der Vereinszeitung ein gutes Bild, sondern auch am Sportplatz ein gepflegtes Erscheinungsbild abgeben, denn das ist letztendlich die Visitenkarte des Klubs. Abgebröckelte, alte Alu-Banden oder Transparente mit herabhängenden Eselsohren sind keine guten Werbeträger. Zudem rate ich immer wieder dazu, dass zumindest 6-Meter-Banden oder Transparente aufgehängt werden, um einen besseren Werbeeffekt zu erzielen. Dabei muss man sich bei der Sponsorensuche als Verein auch manchmal behaupten, da es Sponsoren gibt, die nur 3-Meter-Banden bezahlen wollen. Diese sind dann eben nicht erhältlich, dafür kann man alternativ eine andere, günstigere Werbeleistung anbieten. Eine solche Umsetzung kann oft Jahre dauern, aber sie gelingt, wenn man das Ziel ehrgeizig verfolgt. Außerdem ist es absolut sinnvoll, einmal weniger Geld in Spieler, sondern mehr in die Infrastruktur beziehungsweise in das Umfeld zu investieren, denn das ist in Wahrheit das Kapital des Klubs und bleibt erhalten.

Von "Großen" abschauen
Auch international zeigt es sich ganz deutlich, dass sich Investitionen in die Infrastruktur und in das Umfeld einfach lohnen. Die Serie A in Italien war in den Neunzigerjahren die führende Liga in Europa, hat es allerdings verabsäumt, die Stadien den heutigen Anforderungen anzupassen. Die Premiere League und die Bundesliga in Deutschland haben im Gegensatz in die Stadien und in das Umfeld investiert und der Serie A den Rang abgelaufen. Erst in den letzten Jahren holen die Italiener wieder auf. Nun mögen vielleicht viele Leute meinen, dass dieses Beispiel zu weit hergeholt ist, doch im Endeffekt sage ich immer, was im Großen funktioniert, funktioniert in kleinen Bereichen ebenso. Ich war fünf Jahre in Stuttgart und habe mir viele Dinge deutscher Bundesligisten angeeignet. Man muss das Rad nicht neu erfinden, sondern einfach auf kleinere Bereiche herunterbrechen. Dass diese Methode funktioniert, haben viele Amateurklubs bereits erfolgreich belegt. Ich kann nur jedem raten, die Zeichen der Zeit zu erkennen und einen Umdenkprozess mit neuen Strukturen im Fußball einzuleiten.