Der Trainer als Führungskraft

Der Trainer als Führungskraft

Mit Werner Zöchling legt ein renommierter Coach den Fokus auf jene Kompetenzen eines Fußballtrainers, die positiven Einfluss auf das sportliche Abschneiden haben und ein Weg zum Erfolg sind . . .

 

Eine Gallup-Untersuchung hat ergeben, dass 82% der Führungskräfte mit der Art ihrer Führung zufrieden sind, aber nur 28% der Mitarbeiter sind es. Das zeigt, dass Selbstbild und Fremdbild der Führungskräfte oft auseinanderliegen. Viele Führungskräfte, auch Trainer, führen so, wie es ihrer Persönlichkeit entspricht, das ist manchmal erfolgreich, manchmal nicht. Man muss sich aber bewusst sein, dass es keine " geborenen" Führungskräfte gibt. Manche sind auf Grund ihrer Persönlichkeit talentiert, manche besitzen ein Entwicklungspotential, manche sind für eine Führungsposition ungeeignet, haben oft großes Potential in anderen Bereichen.

Lernen, nicht Wissen

Entscheidend im Fußball ist die Qualität der Spieler. Für den Erfolg ist aber der Trainer ein sehr wichtiger Faktor. Trainer mit Führungskompetenz sind auch erfolgreich, wenn die Qualität der Spieler nicht so hoch ist, wie man am Beispiel Peter Stöger beim 1.FC Köln sieht. "Führung ist Lernen, nicht Wissen. Wissen im Sinne von Besserwissen ist Arroganz" sagt Rudolf Mann, ein deutscher Management-Trainer. Im Vordergrund steht das Entwickeln der Führungspersönlichkeit und nicht der Führungsinstrumente.

Entwickeln der Führungsstile

Ein frühes Modell war das sogenannte Grid-Modell, das von einem idealen Führungsstil, dem demokratischen, ausging. Ein weiterer Schritt war zu erkennen, dass der Führungsstil in erster Linie von der Situation abhängt. Situativ führen hat aber die Persönlichkeit der Mitarbeiter/Spieler noch nicht miteinbezogen. Erfolgreich führen bedeutet meiner Meinung nach, den Führungsstil an die Situation und an die Person anzupassen.  Um aber die Situation und die Persönlichkeit des Mitarbeiters richtig einschätzen zu können, ist es notwendig, dass sich die Führungskraft mit seiner eigenen Führungspersönlichkeit auseinandersetzt.

Notwendige Fähigkeiten

Welche Fähigkeiten sind nun notwendig, um zufriedenstellend führen zu können? Eine gute Führungskraft sollte Fähigkeiten aus "Respekt" und "Vertrauen" in Balance zur Verfügung haben und situativ und der Persönlichkeit der Mitarbeiter entsprechend einsetzen. Über allem steht ein wertschätzendes Verhalten gegenüber den Mitarbeitern/Spielern. Respekt zeigt sich durch Fachkompetenz, Durchsetzungsvermögen, das Treffen unangenehmer Entscheidungen, Klarheit, Konsequenz, Konfliktfähigkeit, Verantwortungsbereitschaft, Eingestehen von Fehlern oder Überzeugungskraft. Vertrauen vermittelt man mit aktivem Zuhören,  Kontakt, Einfühlungsvermögen, Zeit nehmen, Verlässlichkeit, Rückhalt und Sicherheit geben sowie mit seiner Vorbildfunktion.

Balance entscheidend

Ziel wäre es, alle Fähigkeiten in der jeweiligen Situation zur Verfügung zu haben, sie sollten - idealerweise - in Balance vorhanden sein. Das Problem dabei ist, dass wir auf Grund unserer Persönlichkeitsstruktur eine Tendenz in die eine oder andere Richtung haben. Und das ist meiner Meinung nach die große Herausforderung für jeden Trainer, beide Seiten zur Verfügung zu haben. Wenn es notwendig ist, sich durchzusetzen, auf der anderen Seite aber Einfühlungsvermögen hinsichtlich der Spieler zu zeigen. Gelingt das, dann bekommt man von den Spielern Vertrauen und Respekt gleichermaßen.

Teamentwicklung als Mosaikstein

Noch ein paar Worte zu Teamentwicklung und persönliche Entwicklung. Gerade im Sport sieht man, dass Teamentwicklung ein Mosaikstein zum Erfolg sein kann. Persönliche Entwicklung der Spieler im Sinne von Coaching ist eine Kernaufgabe jedes Trainers. Das Potential der Spieler zu erkennen und zu fördern gehört ebenso dazu, wie die Spieler anzuhalten, sich persönlich zu entwickeln. Um Menschen besser einschätzen zu können, gibt es unterschiedliche Persönlichkeitsmodelle wie das DISG Modell, das Enneagramm, die Big five usw. Die theoretische Grundlage meiner Arbeit mit Menschen ist das "Bioenergetische Gesundheitsmodell" nach Reinhold Dietrich.

Bioenergetische Lebensweisen

Der Vorteil der bioenergetischen Lebensweisen ist, dass es ein dynamisches Modell ist und nicht nur auf einem Test basiert, sondern dass es unterschiedliche Parameter gibt, nach denen man Menschen einschätzen, besser verstehen und auf die Persönlichkeit abgestimmt intervenieren kann. Wir haben grundsätzlich ein Gefühl anderen gegenüber, schätzen sie ein, ob richtig oder nicht. Durch das Modell der bioenergetischen Lebensweisen erhält man auch das Wissen und hat die Möglichkeit die Menschen besser zu verstehen und sie entsprechend zu führen. Bioenergetische Lebensweisen sind ein dynamisches Persönlichkeitsmodell, theoretisch-wissenschaftliche Grundlage sind die bioenergetischen Charakterstrukturen nach Alexander Lowen.

Hinweise auf Persönlichkeit

Die bioenergetischen Charakterstrukturen sind ein Krankheitsmodell. Die bioenergetischen Lebensweisen gehen aber von den Fähigkeiten aus und sehen auch die Einengungen. Durch die Kenntnis der bioenergetischen Lebensweisen bekommt man Hinweise auf die Persönlichkeit der Menschen und kann sie besser verstehen. Es darf aber nicht kategorisiert werden, da es keine "reine Lebensweisen" gibt, sondern jeder Mensch eine Mischung aus den verschiedenen Lebensweisen darstellt und gewissermaßen einzigartig ist. Setzt man sich mit der eigenen Führungspersönlichkeit auseinander, dann wird man die Erfahrung machen, dass es das Führen von Spielern nicht einfacher macht, aber spannender - und man wird viel Vertrauen und Respekt von den Spielern zurückbekommen.