Lebensschule mit Nachhaltigkeit

Lebensschule mit Nachhaltigkeit

Der Sport mit dem runden Leder nimmt äußerst positiven Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen. Mit Stefan Reiter hat ein Kenner der heimischen Fußballszene bei seinem Impulsreferat im Rahmen der Vereinscoaching-Tagung die wichtigsten Aspekte erläutert . . .


Fußball  soll in erster Linie Spaß machen. Das hört sich zunächst banal an, aber das gemeinsame Erleben von positiven Erlebnissen in einer Gruppe, ist eine der tollsten Sachen, die unser Sport zu bieten hat. Darüber hinaus geht dieser Spaß auch oft über den Sport und das Training hinaus. In der Regel findet man in einer Mannschaft schnell neue Freunde und hat auch im privaten Umfeld Spaß mit den Mannschaftskollegen. Diese Freundschaften und Erlebnisse wirken sich wiederum positiv auf das allgemeine Wohlbefinden und das Selbstvertrauen aus.

Positive Lerneffekte
Im  Fußball  kann man unheimlich viel lernen. Neben den Möglichkeiten sportartspezifische Techniken und Bewegungsabläufe zu erlernen und sich darin zu verbessern, gibt es einige weitere Dinge, die man im Mannschaftssport schnell und effektiv lernt. Als Oberbegriff nehmen wir einfach die so genannte Teamfähigkeit. Egal welches Alter, welches Geschlecht, welche Nationalität - in den Mannschaftssportarten lernt man miteinander umzugehen. Man lernt jeden zu respektieren und niemanden abzuwerten. Werte wie Respekt, Toleranz und Fairplay sind grundlegende Aspekte einer gesunden Persönlichkeitsentwicklung. Kaum woanders können diese Werte besser, leichter und effektiver vermittelt werden als im (Mannschafts-)Sport und das bereits im Kindes- und Jugendalter. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Trainer diese Dinge auch mit Überzeugung vorleben und als Vorbild dienen. Speziell Kinder schauen sich Verhaltensweisen schnell ab und nur wer Respekt, Toleranz und Fairplay ehrlich vorlebt, kann seiner Vorbildfunktion auch gerecht werden.

Sieg und Niederlage
Der Umgang mit Sieg und Niederlage gehört natürlich auch zu den Lerneffekten. Im Fußball  gehört gewinnen und verlieren einfach mit dazu. Für die Entwicklung von sozialen Kompetenzen ist der Lernprozess, wie man Siege und Niederlagen verarbeitet, sehr wichtig und lässt sich auf unzählige Lebenssituationen im Beruf, im Alltag und in der Familie übertragen. Beispielsweise kann so spielerisch erlernt werden, dass man auch bei einer Niederlage dem Gegner den gebührenden Respekt zollt und seine Mannschaftskollegen aufbaut, anstatt einzelne Mannschaftsmitglieder für die Niederlage verantwortlich zu machen. Im Fußballsport gilt es nicht nur für sich, sondern auch für seine Teamkollegen Verantwortung zu übernehmen. So gewinnt man gemeinsam und verliert man gemeinsam. All diese Erfahrungen führen zu einer positiven Persönlichkeitsentwicklung und beeinflussen das Verhalten der Menschen nachhaltig.

Vorbildwirkung wichtig
Ein spezielles Problem im Jugendfußball besteht darin, dass auf den Zuschauertribünen häufig die Eltern der Spieler sitzen. Diese projizieren nur allzu oft die Erwartungen an eine eigene sportliche Karriere - die allzu oft nicht gelungen ist - auf ihre Kinder. Die hochkochenden Emotionen seitens der Zuschauer werden wiederum von den Spielern auf dem Feld wahrgenommen und führen letztlich erst dazu, dass eigentlich harmlose Situationen eskalieren können. Aber auch zu ehrgeizige Trainer heizen die aggressive Stimmung auf. Die Kids sind da nur Leidtragende, die eigentlich nur spielen wollen. Eigentlich sollte der Sport als Ausgleich dienen für den täglichen Stress, egal ob nun in der Schule oder am Arbeitsplatz. Denn durch Sport lässt sich so mancher Frust abbauen. Doch leider führt falscher Ehrgeiz der Erwachsenen dazu, dass der Frust am Gegner und am Schiedsrichter ausgelassen wird. Das Fairplay sollte wieder in den Mittelpunkt rücken. Das geht aber nur, wenn die Erwachsenen damit anfangen.

Botschafter des Amateurfußballs
Fußball macht Spaß! Alle sind mit Leidenschaft dabei und jeder bestimmt selbst über die eigene sportliche Leistung und die Intensität des Engagements. Jede Beteiligung ist willkommen. Die Aktivität auf und neben dem Platz ist freiwillig und erhält zusätzliche Motivation aus der Anziehungskraft des Profi-Fußballs. Dabei sein, heißt auch (Mit-)Verantwortung tragen. Jeder kann unkompliziert und mühelos in einen Verein eintreten, dort Fußball spielen oder eine Funktion übernehmen. Es gelten gemeinsame Werte und Ziele. Die Übernahme von Aufgaben, Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten ist freiwillig. Im Gegenzug profitiert man von Kompetenzerwerb und genießt Anerkennung.  Aktive Fußballspielende, Trainerinnen und Trainer, Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter, Sport- und Organisationsverantwortliche bilden das Fundament des Amateurfußballs. Mit ihrem Verantwortungsbewusstsein, Auftreten und Verhalten und ihren Leistungen sind sie Botschafter des Amateurfußballs.

Stabilität und "Wir-Gefühl"
Die Kontinuität der Vereinsorganisation und des Spielbetriebs verleiht der Gemeinschaft und dem Einzelnen Stabilität. Jeder hat die Möglichkeit, sich aktiv einzubringen. Die Zugehörigkeit zur "Fußballfamilie", die erlebte Geselligkeit, der Teamgeist und das Teilen von Erfolg und Misserfolg auf und neben dem Platz stärken das "Wir-Gefühl" im Amateurfußball. In der " Fußballfamilie" zählen respektvoller Umgang und ein tolerantes Miteinander. Der Einzelne übernimmt (Mit-)Verantwortung für andere und die Gemeinschaft insgesamt. Dies stärkt den persönlichen Selbstwert und fördert den gleichberechtigten Umgang und die gegenseitige Wertschätzung in der Gruppe.

Persönlichkeitsentwicklung
Ehrenamtliche Mitarbeit im Amateurfußball ist gelebtes  Engagement und leistet einen positiven Beitrag für die Gesellschaft. Die persönliche Entwicklung eines jeden Einzelnen im Amateurfußball ist ein Mehrwert für das gesellschaftliche Zusammenleben: Das Zusammenspiel auf und neben dem Platz prägt die Einstellung zur Leistung, zur Gesundheit, zum diskriminierungsfreien Umgang und zu einem gemeinsamen "Fair Play". Sowohl aktiv  Fußballspielende als auch Sport- und Organisationsverantwortliche vermitteln die im Fußball erworbenen Werte, Fach- und Sozialkompetenzen in weitere gesellschaftliche Lebensbereiche. Die persönliche Entwicklung eines Einzelnen im Amateurfußball bewirkt die Stärkung sozialer Werte und fördert so den Zusammenhalt und die Integration in der Gesellschaft.