Prävention gegen Manipulation

Prävention gegen Manipulation

Zuerst ein interessanter Vortrag mit Fallbeispielen aus der jüngsten Vergangenheit, dann eine hochkarätig besetzte Podiumsrunde, die Antworten auf die Fragen der anwesenden Spieler, Trainer und Funktionäre lieferte . . . Nachdem der Play Fair Code sämtliche Vereine der beiden Profiligen und alle Nachwuchsakademien sowie Nachwuchsnationalmannschaften des ÖFB besucht hatte, wurden im Rahmen einer Informationsveranstaltung des Vereinscoachings auch die oberösterreichischen Amateurklubs mit dem Thema Spielmanipulation konfrontiert ( HIER geht´s zur Fotogalerie). Was aber ist eigentlich der Play Fair Code? Und warum ist das Thema auch für Vereine im Unterhaus von großer Bedeutung?

Plattform zur Erhaltung des Wertesystems
Wettspielkriminalität im Allgemeinen und Spielmanipulation im Besonderen drohen die fundamentalen Charakterzüge des Sports, die Glaubwürdigkeit, die Fairness und die Integrität des Sports, zu unterwandern. Diese negative Entwicklung stellt für den Sport eine ernsthafte Bedrohung dar. Die führenden Vertreter im heimischen Sport, darunter der ÖFB und die Bundesliga, haben diese globale bedrohliche Entwicklung, die auch einen starken Einfluss auf die gesellschaftliche Bedeutung des Fußballs mit sich bringen kann, erkannt und mit dem Play Fair Code eine Plattform zur Erhaltung des sportlichen Wertesystems in Österreich geschaffen. Die Herausforderung liegt darin, die sozialen, ethischen und kulturellen Werte, aber auch die wichtige Position als seriöser Wirtschaftszweig zu bewahren. Die Initiative mit Sitz in Wien stellt sich dieser Herausforderung mit Kompetenz, Engagement und Nachhaltigkeit. Die zentralen Aufgabefelder und Kernkompetenzen des Play Fair Codes liegen in der Prävention, dem Monitoring und dem Angebot einer Ombudsstelle.

Professionelle Anlaufstelle
Dabei handelt es sich um eine diskrete Anlaufstelle für Spieler, Trainer, Vereinsverantwortliche oder Schiedsrichter, die seit Februar 2014 aktiv und bei einer Rechtsanwaltskanzlei angesiedelt ist. "Sämtliche Informationen von potentiellen Hinweisgebern zu geplanten oder tatsächlich erfolgten Spielmanipulationen werden vertraulich behandelt. Die Ombudsstelle hat die Aufgabe, diesen Zielgruppen mit Fachwissen zur Seite zu stehen und sie zu beraten, wie man sich in Gefährdungssituationen und bei Verdachtsmomenten verhalten kann oder muss", erklärt mit Günter Kaltenbrunner der Präsident des Play Fair Codes - der im Anlassfall beispielsweise mit dem ÖFB eine konkrete und korrekte Vorgangsweise im Einklang mit dem Verbandsrecht erarbeitet und maßgeschneiderte Problemlösungen evaluiert. Die Kontaktaufnahme mit der Ombudsstelle, die ihre beratende Tätigkeit kostenlos anbietet, ist rund um die Uhr per E-Mail oder Telefon möglich und kann auch anonym erfolgen.

Hochkarätig besetzte Expertenrunde
Unter Monitoring wird die Beobachtung und Analyse von Spielen und Ergebnissen verstanden, um verdächtige Quotenverläufe zu erkennen. Es dient der Transparenz und ist ein sehr effizienter Schutz gegen Spielmanipulation. Nicht minder wichtig ist aber die Prävention, die durch Schulungen, Aufklärung und Information betrieben wird. Diese Bewusstseinsbildung und Sensibilisierung für das Thema Spielmanipulation ist die Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Kampf gegen diese Bedrohung des Fußballs. "Wenn wir morgen ein Spiel anschauen und wissen, wie es ausgeht, ist der Fußball tot", mahnt etwa UEFA-Präsident Michel Platini. Ein Szenario, dass auch für den Amateurbereich hohe Relevanz hat. Weshalb im Zuge des Vereinscoachings hochkompetente Experten in den PowerTower der Energie AG nach Linz gekommen waren, um Rede und Antwort zu stehen. Für den ÖFB bezogen Präsident Leo Windtner und mit Thomas Hollerer der Leiter der Direktion Recht Position, der OÖ FUSSBALLVERBAND war mit Präsident Gerhard Götschhofer vertreten. Während Jürgen Irsigler, Geschäftsführer von Admiral, die Bemühungen von Seiten der Wettanbieter und Thomas Gebauer, Kapitän der SV Josko Ried, das Thema aus Sicht eines aktiven Profis beleuchteten.

Bewusstseinsbildung als Voraussetzung
"Mit Veranstaltungen dieser Art bekommen wir nun auch die Möglichkeit, die  Verantwortlichen im Amateurfußball für das Thema Spielmanipulation zu sensibilisieren. Das ist ein weiterer großer Schritt, das vorherrschende Problem im Bewusstsein zu verankern", sagt Günter Kaltenbrunner, der mit Severin Moritzer angereist war. Der Geschäftsführer des Play Fair Codes klärte in seinem Vortrag auf, wie Akteure zur Mithilfe an kriminellen Machenschaften geködert werden und welche Konsequenzen in der Folge möglich sind. Damit ist nicht nur der Schaden für den gesamten Fußball gemeint, sondern auch jener für den Einzelnen, zumal neben dem sportlichen Karriere-Aus möglicherweise auch Auswirkungen auf Brotjob und Privatleben folgen können, wie in einem konkreten, abschreckenden Fallbeispiel aufgezeigt wurde.

Meldung an den Landesverband
Bis zu 2000 Milliarden Euro soll jährlich weltweit auf Sportevents gewettet werden, 70 bis 80 Prozent davon entfallen auf den Fußball. Das Thema Spielmanipulation hat längst nicht nur im Profibereich hohen Aktualitätsgehalt, gibt es doch ebenso zahlreiche Wettangebote für die Amateurligen. Außerdem ist eine Spielmanipulation nicht nur basierend auf monetären Motiven gegeben, sondern vielmehr ab jenem Moment, ab dem jemand aus bestimmtem Grund beabsichtigt nicht seine bestmögliche Leistung abruft. Ein Betrug am Sport - und darüber hinaus unfair gegenüber den Mannschaftskollegen, dem Verein oder den Fans. Spielmanipulation ist kein Kavaliersdelikt und hat rechtliche Konsequenzen für die Beteiligten. Umso wichtiger ist richtiges Handeln im Anlassfall, indem umgehend die verpflichtende Meldung an den zuständigen Landesverband erfolgt.

 

Wichtige Links:

Play Fair Code

Schulungsmaterial

TV-Beiträge

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